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Rauch Michael LKC Quelle Insight all(06. März 2018) Dass Unternehmer für ihre Angestellten Sozialversicherungsbeiträge leisten, ist hinlänglich bekannt. Doch gerade in der Werbe- und Marketingbranche, wo die Abgrenzung von angestellten und selbstständigen Textern, Grafikern und anderen Mitarbeitern nicht immer einfach und deutlich ist – und Arbeitgeber teilweise auch bewusst getäuscht werden – passieren immer wieder Fehler, die unter Umständen hohe Kosten verursachen.

 

Denn: „Der Arbeitgeber, beispielsweise ein Unternehmen, das mit einem freien Grafiker zusammenarbeitet, haftet grundsätzlich allein für die ordnungsgemäße Abführung der SV-Beträge für seine Angestellten“, warnt Steuerberater Michael Rauch (Bild), Partner der LKC Rauch & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft aus Bad Wörishofen. Gerade in der Werbe- und Marketingbranche sei die richtige Abgrenzung oft ein Problem. „Ein Statusfeststellungsverfahren, das bei der Deutschen Rentenversicherung kostenfrei beantragt werden kann, gibt dem Arbeitgeber die Sicherheit, dass alle Beschäftigten – ob angestellt oder selbstständig – sv-rechtlich richtig behandelt werden“, rät Rauch.

Wird beispielsweise ein Grafiker, Texter, Konzepter oder anderer Mitarbeiter fälschlich als Selbstständiger von einem Unternehmen beauftragt und bei einer Prüfung der Deutschen Rentenversicherung als „angestellt“ definiert, droht dem Unternehmen die Nachzahlung aller geschuldeten SV-Beiträge seit Beginn der Anstellung – und zwar sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmeranteil, denn der Arbeitnehmer kann nur für die letzten drei Monate rückwirkend belangt werden. Letzteres gilt auch nur, wenn er noch im Unternehmen beschäftigt ist. Andernfalls trägt der (Ex-)Arbeitgeber alle Nachzahlungen. Da kann schnell eine hohe Summe entstehen. Ein Rechenbeispiel: Beläuft sich die monatliche Bruttorechnung eines seit vier Jahren als selbstständig beschäftigten Grafikers auf 3.000 Euro und wird dieser nachträglich als Angestellter eingestuft, so schuldet das beauftragende Unternehmen plötzlich monatlich etwa 1.100 Euro SV-Beiträge, pro Jahr also bereits 13.200 Euro, in vier Jahren 52.800 Euro – plus sechs Prozent Zinsen pro Jahr. „Die Verjährungsfrist beträgt hier vier Jahre, bei nachweislichem Vorsatz sogar 30 Jahre“, erklärt Rauch. Vorsatz liege beispielsweise dann vor, wenn das Unternehmen den Grafiker wissentlich als Selbstständigen beschäftigt hatte, um SV-Beiträge zu sparen. Bei Vorsatz steht sogar zu befürchten, dass der gezahlte Rechnungsbetrag von 3.000 Euro als Nettoentgelt gewertet wird und damit die Kosten in allen Sozialversicherungszweigen noch höher ausfallen. Zudem kommen in diesem Fall zum Rückzahlungsbetrag noch strafrechtliche Vorwürfe hinzu.

Abhängige Beschäftigung heißt Versicherungspflicht

Grundsätzlich gilt: Voraussetzung für die Versicherungspflicht von Arbeitnehmern in der Sozialversicherung sind der Bezug von Arbeitsentgelt (unabhängig von der individuellen Bezeichnung) sowie das Vorliegen eines abhängigen Beschäftigungsverhältnisses, bei dem der Arbeitgeber unter anderem über Zeit, Ort, Inhalt und Art der Tätigkeit entscheidet. „Angestellt und somit sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, wer weisungsgebunden und ohne eigenes Unternehmerrisiko arbeitet und organisatorisch, beispielsweise bei der Urlaubsplanung, in den Betrieb eingegliedert ist“, erklärt Rauch. Allein eine räumliche Eingliederung genüge nicht, denn gerade Mitarbeiter im Home Office seien zwar nicht vor Ort, aber dennoch an die Weisungen des Arbeitgebers gebunden. Umgekehrt üben Selbstständige ihre Tätigkeit nicht selten in den Räumen des Unternehmers aus.

Selbstständige sind nicht in den Betriebsablauf ihres Auftragnehmers eingegliedert, erbringen ihre Leistungen weisungsfrei und eigenständig und tragen ein eigenes Unternehmerrisiko. Sie können Eigenwerbung betreiben und haben unternehmerische Entscheidungsfreiheit. Ihre Leistungen erbringen sie in eigenem Namen, auf eigene Verantwortung und auf eigene Rechnung für mehrere Auftraggeber. „Letzteres ist vor allem wichtig, um dem Anschein einer Scheinselbstständigkeit zu entgehen“, betont Rauch.

Statusklärung schafft Sicherheit

Er weist auch darauf hin, dass eine klare Abgrenzung von „angestellt“ und „selbstständig“ in vielen Fällen schwierig ist, denn gerade eine gewisse Weisungsgebundenheit gegenüber dem Auftragnehmer oder auch die wirtschaftliche Abhängigkeit sei oft auch bei Selbstständigen gegeben. Allein die steuerrechtliche Einordnung – ob also ein Selbstständiger beim Finanzamt als solcher behandelt wird – sei aus sv-rechtlicher Sicht ebenfalls ohne Belang. „Vor der Beauftragung eines selbstständigen Mitarbeiters tut der Auftraggeber gut daran, bei der Rentenversicherung ein sogenanntes Anfrageverfahren zur Statusklärung einzuleiten, um zweifelsfrei sicherzustellen, dass der neue Mitarbeiter wirklich als selbstständig beschäftigt werden kann und keine SV-Beiträge fällig werden“, rät Rauch und erinnert: „Die früher übliche Vermutungsklausel, nach der bei Zutreffen einiger Kriterien für oder gegen eine Selbstständigkeit entschieden werden konnte, existiert nicht mehr.“ Stattdessen gelten für eine Selbstständigkeit zwei grundlegende Aspekte: eigenes unternehmerisches Risiko und keine Weisungsgebundenheit.

Die Formulare zur Statusfeststellung, die der Unternehmer ausfüllen muss, stehen zum Download unter www.deutsche-rentenversicherung.de unter dem Menüpunkt Service/Formulare & Anträge bereit. Für das Verfahren entstehen keine Kosten.

www.lkc.de

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