(08. Januar 2019) Zwei Drittel (65 Prozent) der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer empfinden heute mehr Stress bei der Arbeit als noch vor fünf Jahren. Ein Viertel (26 Prozent) sieht den Stress als deutlich höher an. Überraschend: Nicht zu viel Arbeit wird als wichtigster Stressfaktor angegeben. Das sagen nur 12 Prozent. Mit großem Abstand haben 35 Prozent ihren Chef als wichtigsten Grund für subjektiv empfundenen Stress benannt.

 

Schaefer Carsten Korn FerryDas ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 1.951 Angestellten durch die Organisations- und Personalberatung Korn Ferry.

• 80 Prozent der Befragten empfinden durch den Wechsel ihres Vorgesetzten unmittelbar Stress
• Zwei Drittel haben angegeben, häufiger oder oft (fünf Prozent) wegen Stress im Job nicht richtig schlafen zu können
• 79 Prozent halten zu wenig Arbeit für deutlich ‚stressiger‘ als zu viel Arbeit

Weitere wichtige Stressfaktoren: Lange Anreise zum Arbeitsplatz sehen 20 Prozent der Befragten als größten Grund für Stress an, zu niedriges Gehalt (19 Prozent) und die Kollegen (14 Prozent).
„Aufgrund von Transformation und permanenter Veränderung liegt die Vermutung nahe, dass vor allem zu viel Arbeit den individuell empfundenen Stress von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verstärkt“, sagt Carsten Schäfer (Bild), Spezialist für die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften bei Korn Ferry. „In Wirklichkeit hat aber der unmittelbare Vorgesetzte den größten Einfluss auf die Gefühlswelt während der Arbeitszeit. Und der wechselt in heutiger Zeit immer häufiger.“ So haben 80 Prozent der Befragten angegeben, dass sie durch den Wechsel ihres Vorgesetzten aufgrund von organisatorischer Veränderung im Führungsgremium unmittelbar Stress empfinden würden. Ein Fünftel (19 Prozent) davon empfinden sogar großen Stress.

„Bei aller Notwendigkeit von Organisations- und Strukturreformen wird ersichtlich, wo eigentlich in der Belegschaft der Schuh drückt: Bei einer Veränderung von Führungsstrukturen und damit dem entsprechenden Führungspersonal“, sagt Carsten Schäfer. „Da dies Stress-Situationen entstehen lässt, ist es umso mehr entscheidend, wer als neue Führungskraft antritt. Denn gelingt es dieser nicht, den Stresslevel deutlich wieder zu senken, drohen deutliche Produktivitätsverluste.“

Stress im Büro führt zu Stress zu Hause = Sinkende Produktivität
Zwar haben nur zehn Prozent der Befragten angegeben, sich aufgrund von Stress schon einmal krank gemeldet zu haben. Und 16 Prozent haben bereits ihren Job geschmissen. Gleichzeitig haben aber zwei Drittel (66 Prozent) angegeben, häufiger oder oft (fünf Prozent) wegen Stress im Job nicht richtig schlafen zu können. Und 76 Prozent sind sich sicher, dass arbeitsbedingter Stress sich schlecht auf ihre Beziehungen zu Hause auswirke.

Carsten Schäfer sagt: „Wenn sich Stress aus dem Büro zu sehr zu Hause auswirkt, beginnt oft ein Teufelskreis.“ Denn 70 Prozent sagen, dass privater Stress sich wiederum negativ auf ihre Arbeitsproduktivität auswirke. „Menschen drohen dann aus dem Gleichgewicht zu geraten. Einige brechen aus der Spirale wieder aus – indem sie entweder beruflich oder privat einen Schlussstrich ziehen. Der Großteil aber wird schlichtweg langfristig unzufrieden und sich künftig deutlich weniger für berufliche Belange einsetzen. Damit erreichen Unternehmen das Gegenteil von dem, was ihre Organisations- und Transformationsreformen eigentlich auslösen sollten.“

Mehr Arbeit wird als seltenster Stressfaktor genannt (12 Prozent)
Die gute Nachricht: Mehr Arbeit begrüßen die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sogar. 79 Prozent halten zu wenig Arbeit sogar für deutlich ‚stressiger‘ als zu viel Arbeit. Und 74 Prozent würden für mehr Gehalt auch bereit sein, noch mehr zu arbeiten. Carsten Schäfer sagt: „Diese Aussagen sollte man nicht falsch interpretieren: Unsere Untersuchungen zeigen, dass zu viel Arbeit sich ebenfalls sehr negativ auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirkt. Vor allem aber dann, wenn Leistung und Einsatz nicht honoriert wird. Und das geht wiederum von der obersten Führung und den unmittelbar vorgesetzten Führungskräften aus. Darum ist es von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen heute auf Führungskräfte setzen, die nicht nur fachlich exzellent sind. Sondern denen es gelingt, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, ihrer Arbeit einen Sinn zu verleihen und als Lotse im komplexen Veränderungsdschungel zu fungieren. Der ‚Law-&-Order-Vorarbeiter, der vor allem kontrolliert und nur bei Minderleistung oder Fehlern kritisiert hat langsam ausgedient.“

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